TRÄUME UND IHRE PSYCHOLOGIE

Was Träume über uns selbst verraten

Surreale Bilder sind verschlüsselte Wahrheiten: Wer seine Träume deuten kann, erfährt viel über seine eigenen Stärken und Schwächen. Denn Träume spiegeln Grundmuster der eigenen Persönlichkeit wider.

Damit bezeichnet er zum Beispiel die Stärken und Schwächen einer Person, ihre Fähigkeiten. Diese Grundmuster sind im Traum erkennbar: Welche Aufgaben hat man im Traum, wie handelt man? „Die Wachpersönlichkeit, die Erfahrung spiegelt sich im Traum wider“.

Wer sich mit den Träumen auseinandersetze und sie lesen lerne, könne die Gefühle aus der Nacht aber bewerten und daran wachsen, sagt Holzinger. „Der Traum ist so etwas wie eine kleine Psychotherapie.“

Träume wichtig für die Gehirnentwicklung

Ein physiologischer Erklärungsansatz laute auch, dass Träume wichtig seien für die Gehirnentwicklung und -reifung. Diese Theorie werde daraus abgeleitet, dass bei Neugeborenen der REM-Schlaf extrem hoch sei.

Der REM-Schlaf ist eine der insgesamt vier Schlafphasen. Ein Zyklus mit allen vier Phasen dauert rund 90 Minuten. Jede Nacht machen Menschen etwa fünf bis sieben solcher Zyklen durch.

Als Erstes kommt dabei das Einschlafstadium oder Dösen – „das Stadium des Schäfchenzählens“. „Da wird alles langsamer.“ Im zweiten Stadium, dem normalen oder stabilen Schlaf, wird der Herzschlag noch ein bisschen ruhiger.

Dann folgt der Tiefschlaf. In dieser Phase bleibt die Muskulatur noch leicht gespannt. – wer zum Schlafwandeln neigt, tut es hier. Diese Phase sei aber auch für die körperliche Erholung wichtig.

Im REM-Schlaf arbeitet das Gehirn auf Hochtouren

Die letzte Phase ist schließlich der REM-Schlaf. REM leitet sich ab von „Rapid Eye Movements“, zu Deutsch schnelle Augenbewegungen. „Da sind wir am schwersten zu wecken“. Das Gehirn sei während dieser Phase hochaktiv. Die Träume seien sehr emotional – im Positiven wie im Negativen.

Die Träume aus den Non-REM-Perioden seien dagegen eher sachlicher Natur, deshalb erinnerten sich viele auch nicht an sie. Aber: „Geträumt wird in allen Phasen“.

Die Erinnerung an die REM-Träume ist am stärksten – wenn sich die Träumer überhaupt erinnern. Im Schnitt tun sie das nämlich nur an einem Morgen in der Woche. „Das hat etwas damit zu tun, ob wir uns für unsere Träume interessieren“. Frauen können sich in der Regel häufiger daran erinnern als Männer. Allerdings können alle Menschen es trainieren, sich der nächtlichen Bilder öfter zu entsinnen.

Dafür müssen sie direkt nach dem Aufwachen die Aufmerksamkeit auf die Träume lenken. Wer möchte, kann das Erinnerte auch in einem Traumtagebuch festhalten, um die zugrundeliegenden Muster besser erkennen zu können. Sich an alle Träume aus einer Nacht zu erinnern, schaffe aber keiner.

Handlungsanweisungen für den Wachzustand

Wer genau beobachtet, was das Traum-Ich durchlebt, könne daraus auch Handlungsanweisungen für den Wachzustand folgern. Vielleicht passt eine Strategie aus dem Traum auch fürs wahre Leben. Oder aber etwas klappt im Traum nie – für den Wachzustand ist dann eine Alternative nötig.

Träume können auch noch auf anderem Wege auf den Wachzustand einwirken: Sie beeinflussen die Stimmung. Sehr viel REM-Schlaf und damit sehr viel Traum verursache bei rund 70 Prozent der Bevölkerung eine Art Mini-Depression

Albträume dagegen können die Stimmung auch längerfristig drücken – wenn sie die Betroffenen immer wieder plagen. Rund fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter Albträumen. Sie haben mindestens einmal in der Woche einen Albtraum. Dabei handelt es sich eher um sensible Typen.

Alternative Lösung für den Albtraum entwickeln

Auch Menschen mit Depressionen oder Angststörungen litten häufiger unter Albträumen. „Die meisten versuchen, es direkt wieder zu vergessen“. Für das direkte Weiterschlafen oder den Tag funktioniere das vielleicht auch. Aber bewältigen können Betroffene ihr Albtraumproblem so nicht.

Dafür müssen sie sich mit dem Traum auseinandersetzen. Eine Methode dafür ist die sogenannte Imagery Rehearsal Therapy. „Die Grundidee ist, sich für die Albtraumsituation eine Bewältigungsstrategie zu überlegen“.

Im Wachzustand überlegen sich Betroffene dann eine alternative Lösung für den Albtraum. „Der negative Ausgang des Traums wird umgearbeitet in ein positives Erlebnis“. Wer im Traum zum Beispiel verfolgt wird und flüchtet, stellt sich im Wachen über ein paar Wochen hinweg vor, wie er sich dem Verfolger stellt. Das wiederholt er eventuell auch mit zwei oder drei anderen Albträumen. „Dann hat man die Albträume besser im Griff“.

Eine andere Möglichkeit ist die Technik des luziden Träumens. Der luzide Traum bedeute, sich im Traum bewusst zu werden, dass man träumt. Dann könne man ihn beeinflussen. Das luzide Träumen sei trainierbar, zum Beispiel durch Entspannungstechniken oder Hypnose.

Wichtig sei, auch bei den Albträumen zu erkennen, welche Gefühle und Erfahrungen ihnen zugrunde liegen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, um sich weiterzuentwickeln, hebt Holzinger hervor. „Auch der Albtraum will uns auf etwas aufmerksam machen und im Grunde heilen.“

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